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Liebe Besucher,

die Offenbarung bietet eine Grundlage für unterschiedliche Arten von Auslegungen, weshalb ich Ihnen schwerlich die Auslegung bieten kann. Andererseits erkenne ich an ihr das Bemühen Gottes, dem Leser eine geschichtliche Entwicklung zu vermitteln, die auf eine Scheidung der Menschen in Bekennende und Nichtbekennende hinausläuft. Das Bekenntnis macht sich an Jesus Christus als dem Heiland und Retter der Welt fest, und geht mit der Annahme und dem Ausleben seines Wesens einher.

Die Sieben Sendschreiben enthalten eine Struktur, die dieses Offenbaren des Wesens Christi nach Stärke und unterschiedlichen Eigenschaften abbildet, und sich sowohl in einer Person, wie in Gruppen, als auch in der Gesamtheit der Christen realisiert. Damit sind Charakter und Verhalten von Christen, von Kirchen und Gemeinden, aber auch der Verlauf ihrer Geschichte vorgezeichnet. Zugleich ist so das Reich Gottes vorgestellt.

Auf der anderen Seite stehen die Institutionen des Gegenspieler Gottes, die in den ersten vier Siegeln umschrieben werden.

Ab dem Brechen des siebten Siegels werden die Aktivitäten in diesen beiden Bereichen dargestellt, zeitlich unterteilt in das Gnaden- und das Zorngericht von jeweils dreieinhalb Jahren. Im ersten Zeitabschnitt finden in der Welt verlustreiche Kriege auch unter Einschluß von atomaren Waffen statt, während Gott in seinem Reich an den "zwei Zeugen" eine vollständige Abbildung des Wesens Jesu im natürlich gezeugten Menschen in Charakter und Verhalten erreicht, und zwar bis dahin, daß auch sie wie Jesus "ihr Leben nicht bis in den Tod lieben".

Mit diesem Zeugnis zweier Menschen von ihrer unbeirrbaren und umfassenden Liebe zu Gott und mit der Hingabe ihrer natürlichen Eigenständigkeit verliert der Gegenspieler Gottes sein Recht, am Himmel teilzunehmen. Er wird auf die Erde verbannt, wo er in der jetzt anbrechenden zweiten Gerichtsperiode ein wohlgestaltetes Reich - wenn auch mit manchem inneren Zwang - errichtet. Leider ist dieses Reich mit der Mentalität seines geistlichen Regenten behaftet, der "selbst so sein will wie Gott" und somit Selbstbezogenheit und nicht Liebe verkörpert. Daraus folgt in seinem Bereich ein Wettstreit der Interessen, der wegen sich verknappender Ressourcen und körperlichen Belastungen aufgrund atomarer Verseuchung in immer stärkere Spannungen zwischen den Menschen und ihren Staaten führt. Sie entladen sich letztlich in einem erdumgreifenden Krieg, aufgrund dessen der Gegenspieler Gottes seine Unfähigkeit zur Herrschaft einsehen muß und seinen Herrschaftsbereich verliert. Er wird gebunden.

Damit ist der Weg frei für "Jesu Wiederkunft". Jesus wacht dann als Schirmherr über ein "tausend- jähriges Friedensreich", bis an dessen Ende der Gegenspieler Gottes nochmals freigelassen und in Herrschaft gesetzt wird. Wiederum zettelt dieser einen alles umfassenden Krieg an, den Gott jedoch durch sein Eingreifen beendet.

Mit dieser Intervention leitet Gott auch das Ende der uns bekannten Verhältnisse ein, hält ein abschließendes Gericht für diesen Bereich, und schafft dann einen "neuen Himmel und eine neue Erde".

Bei diesem kurzen Einblick in meine Auslegung kann ich Ihnen allerdings manche aufschlußreiche Einblicke und Zusammenhänge nicht schildern. Auch die Stellung Israels kann ich nicht einfügen, ebenso nicht die Gestalt der Endzeitgemeinde, die Bedeutung der beiden apokalyptischen Tiere, die Bedrohung durch das "Malzeichen des Tieres", die "große Trübsal" u.a.m. Mit alle dem würde ich den hier gesteckten Rahmen überschreiten.

Eines möchte ich jedoch abschließend betonen: Trotz ihres apodiktischen Wesens und trotz ihrer alternativlosen Darstellungsweise schildert die Offenbarung kein unausweichliches Schicksal, weil Gott seine Strategie an den "zwei Zeugen" festmacht. Und das sind Menschen - wenn auch begnadete - nicht aber Götter. Entschließen sie sich endgültig für eine Hingabe an die Liebe Gottes, so ist die Zukunft der Erde auf Gott, den Vater Jesu Christi, ausgerichtet. Beharren die "zwei Zeugen" auf ihrer natürlichen Selbstbestimmung, so behält der Gegenspieler Gottes das Feld.

Diese "zwei Zeugen" stehen nicht bezuglos in der Gesellschaft sondern leben in einer Bewegung, in deren Verständnis und Annahme sie sich entfalten. Diese Bewegung ist in der Zustimmung vieler einzelner Personen gegründet, sodaß letztlich die Entscheidung des Einzelnen - selbst in seiner Unscheinbarkeit - einen gewichtigen Einfluß auf diese Gesamtentwicklung ausübt.